Selbstverständnis

Aus Freifunk Darmstadt
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In 10 Jahren einer wachsenden Freifunk Gemeinschaft entstanden viele Ideen, Konzepte und Erwartungen in vielen unabhängigen Communities. Dieses Dokument dient als Grundlage zur Diskussion und Reflektion folgender Punkte:

  • Warum machen wir Freifunk?
  • Welche Ideale stehen dahinter?
  • Welche Ziele streben wir an?
  • Welche Prinzipien leiten unsere Entscheidungen und unser Handeln?

Das Ziel dieses Textes ist es ein Verständnis zu entwickeln, das alle Individuen und Gruppierungen verbindet, die sich an Freifunk beteiligen.


Präamble - Was ist ein freies Netz?

Ein freies Netz ist ein Datennetz, das freien, lokalen Transit ermöglicht. Anders gesagt: Datenströme innerhalb des Netzes werden nicht zensiert, priorisiert oder auch anderweitig behindert, ausgenommen der für den Transport von der Quelle zum Ziel nötigen Maßnahmen.

Ein freies Netz definiert sich durch das, was die Teilnehmer damit tun können; nicht etwa durch die Technologie, mit der es gebaut wurde.

Freifunk als eine Bewegung der freien drahtlosen Mitmach-Netze

Kurz gesagt, das Ziel von Freifunk ist es, lokalen Communities zu ermöglichen ein freies, drahtloses Netz aufzubauen und zu betreiben.

Freifunk erlaubt den Teilnehmern eines Netzes gleichzeitig dessen Betreiber zu sein: Sie betreiben drahtlose Geräte, die sich selbsttätig zu einem Kommunikationsnetz verbinden und somit Gebäude, Straßen, Stadtteile oder gar ganze Dörfer und Städte verbinden.

Das bedeutet, dass ein Freifunk Netz dezentral aufgebaut und von vielen Individuen betrieben wird. Diese dezentrale Organisationsstruktur begünstig bewusst lokale Aktivitäten anstelle einer Abhängigkeit von einer übergeordneten Entität.

Zusätzlich zu den Idealen der freien Netze und basierend auf dem Picopeering Agreement beabsichtigen Freifunk Netze folgendes zu sein:

  1. Offen und Öffentlich
    • Jeder darf Knoten betreiben und damit das Netz erweitern
    • Jeder darf das Netz und dessen Dienste nutzen
  2. Anonyme Zugänglichkeit
    • Weder Benutzer noch Betreiber müssen sich registrieren um teilzunehmen
    • Das bedeutet nicht, dass Freifunk Netze den Datenverkehr anonymisieren. Benutzer sind selbst für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Anonymisierung ihres Datenverkehrs verantwortlich, sofern sie das wünschen.
  3. Dezentralität
    • Kein Benutzer und keine Gruppe von Benutzern kontrolliert die Geräte anderer Benutzer und somit einen Teil des Netzes
    • Betreiber haben allerdings die Wahl einer Fernwartung ihrer Knoten zuzustimmen.
    • Eingriffe in die Knoten, z.B. Firmwareaktualisierungen oder Fernwartung, geschieht nur mit explizitem Einverständnis des jeweiligen Betreibers
  4. unkommerzieller Netzbetrieb
    • Das Netz ist kostenlos zugänglich.
    • Es steht nicht unter dem Einfluss der Wirtschaft.
  5. Privatsphäre erhaltend
    • Wir speichern weder Verbindungsdaten noch schneiden wir Datenverkehr mit
    • Wir speichern keine persönlichen Daten mit Ausnahme der von Betreibern explizit zum Betrieb des Netzes bereitgestellten Daten wie Kontaktinformationen und geographischen Koordinaten

Daraus folgt, dass ein Freifunk Netz dort endet, wo das Internet oder ein privates Netz (z.B. ein Heimnetz) beginnt. Datenverkehr zu solchen Netzen ist kein Freifunk Datenverkehr. Knotenbetreiber können sich jedoch dazu entscheiden Internetzugang zur Verfügung zu stellen, sei es für die Teilnehmer des Meshnetzes oder für die Allgemeinheit. In so einem Fall ist es wichtig, dass Freifunk nicht nur als "kostenloser Internetzugang" wahrgenommen wird.

Ziele von Freifunk

Obwohl die Nutzung technischer Netzwerke für sehr viele Menschen längst zum Alltag geworden ist, werden die dahinter liegenden Macht- und Wirkmechanismen unserer Meinung nach häufig nicht ausreichend reflektiert.

Freifunk hat sich zum Ziel gesetzt

  • das Verständnis von Datennetzen und Netzwerktechnik sowie deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu fördern,
  • die breite Bevölkerung zu ermutigen, sich aktiv an der Forschung, Entwicklung und Bildung von freien (drahtlosen) Netzen zu beteiligen,
  • alle unsere Fachkenntnisse und Implementierungen öffentlich zugänglich zu machen und anderen zu ermöglichen, darauf auf zu bauen
  • und sich am politischen Prozess zu beteiligen Maßnahmen, um die rechtlichen Voraussetzungen für freie Netze zu schaffen.

Grundsätze von Freifunk

Der Aufbau eines Freifunk Netzes ist ein Prozess. Uns ist bewusst, dass wir nicht alle Ziele vollständig erreichen können. Deswegen sollen wir regelmäßig kritisch reflektieren und unsere Ansätze diskutieren. Für uns ist das Kennenlernen und die Verbesserung sozialer und technologischer Strukturen von größter Bedeutung.

Wir sind engagiert eine respektvolle, für alle offene Umgebung zu fördern - notwendig für das Lernen und Zusammenarbeiten - und tolerieren keine Diskriminierung jedweder Art. Wir halten Ideenvielfalt für eine wichtige Grundlage zum Erreichen unserer Ziele. Jeder, der gewillt ist Freifunk zu unterstützen ist bei uns willkommen, ungeachtet seines sozialen oder technischen Hintergrundes, sofern er unseren Prinzipien der Offenheit und nicht-Diskriminierung folgt.

Wir möchten Hierarchien vermeiden, insbesondere Wissenshierarchien, die durch das Bedürfnis von Teilnehmern, die Dienste des Netze lediglich zu konsumieren, entstehen. Unserer Ansicht nach führt dies zur Erosion der grundlegenden Ideen eines Mitmachnetzes. Deswegen ermutigen und unterstützen wir Interessenten sich mit den Ideen und technischen Aspekten von Freifunk vertraut zu machen, auch wenn uns bewusst ist, dass dies ein umfangreicher Lernprozess sein kann. Um dies zu erleichtern veröffentlichen wir all unser Wissen und unsere Software ohne Beschränkungen. Wir beabsichtigen sehr gute Dokumentation bereitzustellen, dies es jeden ermöglicht unsere Systeme zu erweitern oder Verbesserungen beizutragen; unter dem Motto, dass Offenheit Vertrauen erzeugt.

Politisch ist die Freifunkbewegung überparteilich.

Organisationsformen

Eine Freifunkcommunity ist eine lose Gruppe bestehend aus mehreren Individuen. Lokale Vereine können die Community unterstützen, sofern so eine "legal entity" hilfreich ist, z.B. um Spenden anzunehmen oder Verträge abzuschließen. Einen Verein zu gründen ist jedoch keine Voraussetzung für Freifunk. Teilnahme an einer lokalen Community kann nicht auf Mitglieder eines Vereins oder einer unterstützenden Organisation beschränkt werden.

Für die wenigen, communityübergreifenden Entscheidungen haben wir das "Freifunk Advisory Council", eine Vertretung von Communityteilnehmern aus den Bundesländern, eingeführt. Dieser Rat kann angerufen werden, wenn es Konflikte zwischen Communities gibt.